Führen mit Feedback Teil 2 – Mythos der perfekten Fürhungskraft

Wie sieht perfekte Führung aus?

Im ersten Teil schrieb ich über natürliches Führungsverhalten von Tieren – jedoch reicht es nicht aus,  menschliches Führungsverhalten mit denselben Erklärungsmuster zu erklären. Dies wäre zwar verlockend, weil es eine einfache Erklärung wäre aber die Denkleistungen der Tiere sind im Gegensatz zu denen der Menschen sehr beschränkt. Der zweite Teil zu „Führen mit Feedback“ handelt von dem Mythos der perfekten Führungskraft.

Menschliches Führungsverhalten ist um ein vielfaches anspruchsvoller

In der Regel muss Führung von Menschen,  aufgrund der Entwicklung unseres Gehirns sowie den immer wachsenden menschlichen Gemeinschaften, differenzierter erfolgen. Vor 10.000 – 12.000 Jahren, als wir noch Jäger und Sammler waren, entstanden zunächst immer größere Siedlungen. Das Verhalten sowie das Beziehungsgeflecht in der eigenen Gruppe und ebenso zu anderen Gruppen sorgte für erste Schwierigkeiten in menschlichen Gemeinschaften. Folglich nahm die Wichtigkeit eines Führers für jede dieser menschlichen Gemeinschaften bzw. der Gruppe zu.

Anders als bei dem natürlichen Führungsverhalten der Tiere reichten Attribute wie Kraft, Stärke und Mut allein nicht aus, um den Ansprüchen der vielschichtigen Aufgaben gerecht zu werden. Aufgaben wie das Funktionieren einer Gruppe und das Vertreten der Gruppeninteressen nach außen, rückten den sozialen Aspekt von Führung in den Vordergrund. Dadurch spielten konsequenterweise die Dominanzmerkmale eine immer kleinere Rolle. Zu guter letzt bekam die Sprache immer mehr Bedeutung.Für Gesellschaften, welche sich rasch sehr differenzierter entwickelten, ergaben sich automatisch mehr Möglichkeiten für Führungskräfte ihre Anhänger durch Überzeugungskraft zu gewinnen – Teilweise sogar auch durch Manipulation.

Wie sieht den perfekte Führung aus?

Sehr früh bereits beschäftigten sich Gelehrte den zwei klassischen Führungsfragen.

Wie sieht die perfekte Führungskraft aus?

Was für Eigenschaften muss sie besitzen?

In der chinesischen Literatur sind diese Fragen erörtert worden. Ebenso wurden diese Fragen von Platon aufgegriffen und diskutiert. Die damaligen Erörterungen beziehen sich auf Häuptlinge, Shogune und Pharaone, später auf Könige, Fürsten und Kaiser. Seit der industriellen Revolution beziehen sie sich auch ganz sicher auf die Köpfe der Wirtschaftsunternehmen und heutzutage  auf jede Führungskraft in einer Organisation.

Great leaders are born, not made

Die Great-Man-Theorie von Thomas Carlyle ist bis heute noch bekannt. Thomas Carlyle suchte nach Eigenschaften, welche herausragende Führungskräfte gemeinsam besitzen. Die Antwort darauf ist definitiv nicht einfach falls man überhaupt DIE Antwort finden kann. Daher ist die These sehr früh in die Kritik geraten und gilt heute als naiv und abwegig. Zu verschieden sind die Persönlichkeiten der großen Führer der menschlichen Geschichte sowie die die kulturellen Hintergründe und die Umweltbedingungen, welche die Great Leaders ebenfalls geprägt haben.

State of the art der heutigen Führung

Die Wissenschaft konzentrierte sich nach dem Scheitern der Suche der perfektem Führungskraft sehr stark auf das Verhalten von Führungskräften. Einige bekannte und bis heute geltende Ansätze sind die Theorien X und Y von McGregor und das Managerial-Grid von Blake aus den 1960er Jahren sowie das Leadership-Grid von Blake aus den 1990er Jahren. Es entstanden in den 1960er Jahren zunächst die situativen Ansätze des Führungsverhalten, welche bis heute Gültigkeit haben. Der Glaube an den einzig richtig Führungsstil, welcher immer angewendet werden kann, ist passe. Somit kann gute Führung nur im Zusammenhang mit der jeweiligen Situation gesehen werden. Am Ende der 1970er Jahre wurden diese Theorien durch den Leader Member Exchange Ansatz ergänzt. Die Theorie betont erstmals die Interaktion zwischen Führungskraft und dem Geführten. In diesem Ansatz gelten fortan zwischenmenschliche Elemente wie Kommunikation, Vertrauen, Respekt und Verpflichtungen. Ohne diese Elemente ist gute und effektive Führung nicht denkbar. Als letztes nennenswertes Puzzleteil der heute gültigen Thesen zur heutigen Führung ist die New-Leadership Theorie von Bryan welche Anfang der 1990er erschienen ist. Ein wichtiges Element Bryan’s Verständnisses ist die Annahme, dass gute Führung auf geteilten Visionen und gemeinsamen Werten gründet. Die Führung wird dabei als Prozess angesehen, welcher Führungskraft und Geführten verändert – man spricht von Transformation. Betrachtet wird nicht nur die Steigerung der Produktivität, sondern vielmehr ein nachhaltiges und werbebasierendes Unternehmensverhalten. Zentrale Bedeutung hat in dieser Theorie die Unternehmenskultur.

Quintessenz guter Führung

Unzählige Studien und jahrzehntelange wissenschaftliche Untersuchungen wurden zum Thema „Führung“ bereits durchgeführt. Als Erkenntnis bleibt:

„Führung ist kein normiertes Verhalten. Sie ist weder eine Fähigkeit und auch keine Eigenschaft. Führung ist ein Aufgabe.“

Die Aufgabe ergibt sich aus einem Spagat, zum einem für die größere Herausforderungen die Unterstützung anderer Menschen zu brauchen und zu anderem sich damit gleichzeitig organisatorische, soziale und emotionale Probleme einzuhandeln. Zur Bewältigung dieser Aufgabe gibt es nicht den einen richtigen Führungsstil bzw. den richtigen Weg die Aufgabe zu gestalten, auch wenn uns damit sicherlich geholfen wäre, Führung einfacher zu gestalten. Gute Führung hängt zu jederzeit von der jeweiligen Situation ab, in der geführt wird. Wer führt, muss definitiv situationsadäquat handeln. Je besser Führungskräften dies gelingt, desto mehr erhalten die Führungskräfte Anerkennung und Akzeptanz von den Geführten und darauf kommt es letztendlich an. Führung kann nicht von oben herab festgesetzt werden. Der Begriff „vorgesetzt“ ist in dem Kontext tatsächlich als Vorgesetzter zu verstehen. Führung muss sich durch die Kraft der Führung der Führung erst verdient werden. Somit wird nur derjenige von den Mitarbeitern akzeptiert und anerkannt werden, der tatsächlich eine Führungskraft und nicht nur ein Vorgesetzter ist. Denn nur ihm werden die Mitarbeiter vertrauen und engagiert ebenfalls folgen.

Oder wie es eben so schön Peter Drucker treffend ausgedrückt hat: „The Only definition of a leader is someone who has followers“

 

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