Industrie 4.0 und nun, wohin geht die Reise?

Industrie 4.0, wohin geht die Reise und was ist der richtige Weg?

Jedem ist der Begriff bekannt und doch die wenigsten kennen den Weg zur Industrie 4.0. Also ist nun eine Revolution im Gange, die sämtliche Branchen und Unternehmen betrifft?

Eines ist sicher:  Mit der Industrie 4.0 kommen grundlegende Veränderungen auf uns zu.  Um eine Gravierende anzusprechen, erwähne ich das Schlagwort Disruption.

Es gibt unzählige Artikel und Bücher, welche über Industrie 4.0 schreiben und über den zukünftigen Zustand in Deutschland (Einige lese ich derzeit selber). In dem Land der Maschinenbauer, erfolgreiche Automobilhersteller und und und….. Doch wie sieht die Welt in der Zukunft aus, in der Zukunft Industrie 4.0! In dieser Welt tauschen Maschinen die richtigen Informationen zur richtigen Zeit untereinander aus. Komponenten melden Zeit genau, wo sie sich befinden und bekommen weitere Informationen, wann, wo und wie sie hinmüssen um ja verschwendungsarm ans Ziel zu gelangen, Steuerprogramme reagieren in der Zukunft, wenn Maschinen ausfallen und Produkte werden quasi von selbst ohne Einfluss des Menschen gefertigt. Das alles klingt nach einem schönen Science-Fiction Thriller aus den Neunzigern.

Doch was sagt die Realität? Es wäre eine schöne Aussicht und eine Idee für eine Zukunft in Deutschland um den Anschluss nicht zu verlieren. Daher redet man auch von einer Revolution, die uns selbst in Hochlohnländern erlauben würde, Produkte zu fertigen, die früher mit hohen Lohnanteilen behaftet waren.

Tatsächlich hat die Digitalisierung weitreichende Konsequenzen auf unsere Art zu denken, zu leben und somit auch zu wirtschaften. Es enstehen ganz neue Geschäftsmodelle, welche uns eine Menge Chancen bieten. Klassische industrielle Prozesse werden optimiert und Fertigungsprozesse sogar revolutioniert. Sogar selbst-wartende Maschinen werden sich von nun selbst warten. Und im Internet der Dinge beginnen diese Dinge, eigenständig miteinander zu kommunizieren. Schon bald werden Computer keine Werkzeuge, wie dies viele von uns kennen, mehr sein, sondern jedes Unternehmen eine digitale Organisation.

Also was heißt dieses alles heute für uns?

Die Kette der Informationen hat eine Voraussetzung: Das ganze Produktionssystem muss richtig dimensioniert, alle möglichen Störeinflüsse beherrschbar sein, jede Variante berücksichtigt werden und alle Prozesse müssen darauf ausgerichtet sein. Genau hier kommt Lean ins Spiel.

Diese Vorstellung des unerreichbaren Zielzustandes ist eine Vision, die man anstreben muss und als Vision vor Augen haben sollte, wenn man ein Unternehmen strategisch ausrichten und in die digitale Zukunft führen will, im Sinne eines Nordstern mit folgenden Eigenschaften – 1 Stück Fluss, 100 Prozent Wertschöpfung, 0 Fehler

Genau mit dieser Konstellation sind ungeahnte Potenziale zu heben und gegenüber den Wettbewerbern entscheidende Vorteile zu erlangen.

Denn das Thema Industrie 4.0 und digitale Zukunft scheinen vollständig in die Hände der IT gefallen zu sein. Big Data, Vernetzung, Digitalisierung, und, und, und sind hier nur einige bekannte Schlagworte. Doch was hat uns die Vergangenheit immer wieder gelehrt? Die Prozesse passen sich den IT-System an, da diese den Prozess anhand des Programmiercodes vorgeben. Doch ist es nicht genau andersrum richtig? Muss das IT-System sich nicht den Prozessen anpassen und müssen diese nicht wie bereits beschrieben vorhanden sein?

Die meisten Unternehmen investieren derzeit enorme Summen in ihre digitale Zukunft. Die USA und vor allem China machen es vor. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um alte Datenbestände auf den neuesten IT-Standard zu bringen. Das berühmte Stammdatenproblem, wer kennt es nicht? Es werden auch gerne Sonderschichten gefahren, um das Erfahrungswissen aller Mitarbeiter in umfassende IT-Systeme zu transferieren  – eine Art Wissensdatenbank in einem Share-Point auf die man 24/7 zugreifen kann und in welchem das Wissen nun für alle Zeit abgelegt ist. Doch schnell werden die o. g. Probleme entstehen. Und, was dann?

Wie wird das heutige, konventionell arbeitende Unternehmen die Herausforderungen der Industrie 4.0 schaffen? Wie kann ich dort, ohne Risiko für mein Unternehmen zu generieren, hinkommen? Wie schaffe ich den Weg zur Industrie 4.0? Diese Fragen stehen in vielen Gesichtern, doch bisher gibt es keine schlüssigen Antworten auf diese Fragen. Bücher gibt es nur für IT-Unternehmen und einige Maschinenbauunternehmen, die ihre Lösungen zur Industrie 4.0 vorstellen und gebetsmühlenartig proklamieren: „Wenn Ihr unsere Programme, Maschinen und Anlagen benutzt, werdet ihr zu einem Industrie 4.0-Unternehmen.“ Die Erfahrung lehrt uns in vielen Beispielen, dass nicht die Hardware entscheiden ist, sondern eher die Software. Anders gesagt im Eisblock-Model die Sachen die unter der Oberfläche liegen, also nicht sichtbar/greifbar sind.

Die Beschreibungen dieser Ideen sind zukunftsweisend. Doch keiner hat bisher formuliert, wie der Weg zu diesem Ziel aussehen könnte.

Schließt man den Fall aus, dass ein Unternehmen die alten Strukturen, Maschinen, Prozesse und Mitarbeiter über Bord wirft und auf der sogenannten grünen Wiese etwas völlig Neues aufbaut, muss folglich die Frage gestellt werden,  „wie schaffe ich es von dem heutigen Zustand einer mehr oder weniger analogen Fertigung zu meiner Vision eines digitalisierten Unternehmens / eines Unternehmens der Industrie 4.0?“ Um von der Vision zur Mission, den nächsten Zielzustand zu definieren und anschließend sich an die Zielerreichung mit konkreten Maßnahmen ranmachen.

Einige Unternehmen versuchen allzu oft, ihr bisheriges Geschäftsmodell eins zu eins ins Netz bzw. System zu transformieren – und verkennen dabei das Beharrungsvermögen veralteter oder verkrusteter Strukturen. Funktionen, Königreiche oder Abteilungen bringen den Wertschöpfungsprozess zum Stocken.

Ca. 90% der Unternehmen im deutschsprachigen Raum sind immer noch funktional organisiert. Lediglich in der Produktion hat man es in vielen Fällen geschafft, von der Werkstatt- zur prozessorientierten Fließfertigung umzustellen. Doch entstehende Schnittstellen sind Störungen und verursachen erhebliche Ineffizienzen, denn an den Schnittstellen zwischen den Funktionen entsteht unweigerlich Verschwendung, weil die funktionalen Optimierungen den über Schnittstellen hinweg laufenden Prozess nicht unterstützen und so kein Gesamtoptimum erreicht wird.

Fängt man an, solche funktionsorientierten Unternehmen in die Digitalisierung zu schicken, digitalisiert man ineffiziente oder instabile Prozesse, digitalisiert man Verschwendung und automatisiert deren Produktion!

Also werdet erstmal Lean und dann fangt an zu digitalisieren…

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